Wurde Mozart ermordet? Dramaturgie eines Mordes"Er kannte unsere Warnung, da wir ihm Hermes gesandt..." (Homer, Odysse,I: 37-38)
Das Ehepaar Vincent und Mary Novello besuchten 1829 die Witwe Mozarts und hielten bei dieser Gelegenheit in ihrem Tagebuch fest, dass Mozart 6 Monate vor seinem Tode den Verdacht geäußert habe, jemand hätte ihn vergiftet. Er klagte über starke Schmerzen in den Lenden und Mattigkeit. Gegenüber seiner Ehefrau äußerte Mozart bei eine Praterfahrt, wie es der Chronist Nissen überlieferte, dass man ihm "gewiß" Gift gegeben hätte.
Im Juli 1791 wird Mozart von einem "Grauen Boten" heimgesucht, der bei ihm ein Requiem in Auftrag gibt - eine Totenmesse. Der Graue Bote stellte sich nach Mozarts Tod als Diener des Grafen Walsegg heraus, der das Werk bei Mozart incognito in Auftrag gab, um es später als sein eigenes aufzuführen.
Bereits während seines Prag Aufenthaltes 1791 - zur Aufführung des Titus - ist Mozart schwach und kränklich. In einem Brief an Da Ponte schreibt er, dass sein Kopf schwach und zerstreut sei und das Bild "dieses Unbekannten" nicht aus seinem Kopf weichen will, "andererseits habe ich vor nichts mehr zu zittern. Ich fühle es und brauche keinen Beweis, die Stunde schlägt".
In den letzten Wochen vor Mozarts Tod leidet jener unter Schwindel und Wahnsvorstellungen, muss sich häufig übergeben, wie es aus zahlreichen Dokumenten hervorgeht, bspw. aus einem Entschuldigungsschreiben an die Loge (Mozart war Freimaurer): "Lieber Bruder. Nun ist es eine Stunde, dass ich nach Hause kam - und zwar mit starken Kopfschmerzen und Magenkrampf behaftet; - und ich hoffe immer auf Besserung - da ich aber leider das Gegenteil empfinde, so sehe ich wohl, dass ich nicht dazu bestimmt bin, unserer heutigen ersten Feierlichkeit beizuwohnen, und bitte Sie, lieber Br., mich deswegen an Ort und Stelle bestens zu entschuldigen. (...)". Mozart wird von einer unerklärlichen Kälte befallen, welche ihn bis zu seinem Tod nicht mehr verlassen soll.
Der eigentlich Todeskampf begann 2 Wochen vor seinem tatsächlichen Tod. Mozart kann das Bett nicht mehr verlassen. Der Körper ist aufgedunsen und die Steifheit des Körpers führt über mehrmaliges Erbrechen hin zu einem "hitzigen Frieselfieber". Mozart erlebt seinen Tod mit wachen Verstandes, bis er durch die unbeholfende Behandlung eines Arztes (durch einen Aderlaß und kalte Wickel)in Bewußtlosikeit verfällt. Die Legende will es, dass Mozart in seiner letzten Minute die Backen aufpustet und die Posaunen des Dies Irae seines Requiems immitiert - an welchem er, auch der Legende nach, bis kurz vor seinem Tod gearbeitet hat. Heutige Quellen wissen allerdings zu berichten, dass das Requiem wohl bereits vor seinem Tod uraufgeführt wurde.
Die Leiche Mozarts fällt durch postmortale Schwellungen auf und wird am 6. Dezember ohne Obduktion in der Kruzifix-Kapelle der Stephanskirche eingesegnet und angeblich auf dem Friedhof von St. Marx beigesetzt. Hierfür gibt es keine Zeugen, welche aufgrund schlechten Wetters (Schnee und Regen) der Bestattung fern blieben - heute gilt es allerdings durch die meteorlogischen Eintragungen des Grafen Zinzendorf als erwiesen, dass während der Bestattung Mozarts weder Regen-, noch Schneefall geherrscht haben. Das Grab wurde nicht gekennzeichnet.
Die vermuteten Ursachen für den Tod Mozarts führen von einer Hirnhautentzündung über rheumatisch-entzündliches Fieber hin zu einer Herzinsuffizienz. Die These eines Giftmordes mit Quecksilber befindet sich nach Betrachtung der Todesumstände allerdings auch durchaus im Rahmen des Möglichen - aber wer war der Mörder?